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Der mitunter lange Weg nach der Infektion

Heute schreibe ich einmal über ein eher medizinisches Thema, mit dem ich in meiner Tätigkeit als Klinische Neuropsychologin beschäftigt bin. Da dieses Thema aber auch die Sportfähigkeit beeinträchtigen kann, möchte ich gerne ein bisschen darüber aufklären.

Zudem haben Betroffene häufig das Problem, dass ihre Einschränkungen nicht anerkannt oder ernst genommen werden. Es sind eben „nicht sichtbare“ Einschränkungen, welche es dem Umfeld häufig schwer machen. Oftmals ist es gar kein böser Wille, sondern häufig eben auch mangelnde Kenntnis über die Folgeeinschränkungen einer viralen Infektion.

Beeinträchtigungen und Auswirkungen

Beeinträchtigungen nach viralen Infektionen sind kein neues Thema. Man kennt solche Einschränkungen z.B. auch nach Erkrankungen wie dem Pfeiffer’schen Drüsenfieber. Da hat der ein oder andere bestimmt schon einmal irgendetwas gehört, dass Profi-Sportler nach einer solchen Erkrankung mitunter sehr lange brauchen, um wieder ihren Sport in voller Leistung ausüben zu können.

Nach Infektionen mit Corona-Viren (z.B. SARS-CoV-2 o. COVID-19) und den damit einhergehenden Begleit- und Folgeerkrankungen berichten Betroffene häufig über kognitive, emotionale und auch motivationale Beeinträchtigungen. Das Beschwerdebild ist dabei sehr komplex. Auftreten können eine verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit, Aufmerksamkeits- und/oder Gedächtniseinschränkungen oder auch Probleme in sogenannten dysexekutiven Funktionen. Das sind Bereiche z.B. der Handlungsplanung, -steuerung und -strukturierung, aber auch der Flexibilität und Kreativität. Halten solche Beschwerden länger an, spricht man von einem „Long-/Post-Covid-Syndrom“.

Auch wenn wir noch immer nicht alles über die Auswirkungen der Infektionen mit Corona-Viren wissen, so weiß man aber, dass eine solche Infektion eben nicht nur die Lunge, sondern viele andere Bereiche, wie z.B. auch das zentrale Nervensystem betreffen kann. Es ist keine auf das internistische Fachgebiet beschränkte Erkrankung, sondern eine Erkrankung, die auf durch Schädigung verschiedener Organsysteme eine Vielzahl von neurokognitiven und affektiven Beeinträchtigungen hervorrufen kann.

Häufig werden andauernde Müdigkeit nach COVID-Infektionen berichtet. Dies wird als sogenannte postvirale Fatigue-Symptomatik interpretiert. Ein Teil eines Post-Covid-Syndroms. Kernsymptome können eine verminderte körperliche und/oder geistige Belastbarkeit sein. Im kognitiven Bereich werden dann Konzentrations- und Gedächtniseinschränkungen berichtet. Weitere Symptome können Kopf-, Muskel-, Gliederschmerzen, aber auch Magen-Darm-Probleme oder Schlafstörungen sein. Dies ist aber nur eine Zusammenfassung der berichteten Probleme. Die Breite der Symptome ist sehr individuell und deutlich komplexer. Als Ursachen wird u.a. ein komplexes Zusammenwirken körperlicher, psychosozialer und biologischer Faktoren angenommen.

Zur Sicherstellung einer hochwertigen Behandlung sollte immer auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit den kognitiven, emotionalen und sozialen Folgen der Erkrankung gefördert werden. Hier ist wichtig zu beobachten, welche emotionalen und sozialen Belastungen aus dem Krankheitsgeschehen erfolgen.

All dies hat einen Einfluss auf die Behandlung. Es ist ein individuelles Austarieren zwischen Erholung und Belastung. Fordern, aber nicht Überfordern. Regenerieren, aber auch belasten. Aber eben nicht über die Belastungsgrenze. Dies ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für das Umfeld schwer einzuschätzen.

Hilfe holen

Allen, die das Gefühl haben, mögliche Langzeitfolgen einer viralen Infektion zu verspüren, kann ich nur empfehlen, sich professionelle Hilfe zu holen. Es gibt Experten, die sich genau mit diesem Thema auskennen. Hier kann differenziert diagnostiziert werden, und es können individuelle Behandlungspläne aufgestellt werden. Für die kognitiven und emotionalen Einschränkungen wären die Klinischen Neuropsychologen Ansprechpartner. Eine Behandlerliste findet man u.a. auf der Homepage der Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP e.V.) unter www.gnp.de.

In vielen Städten gibt es zudem auch Long-Covid-Ambulanzen, die nicht nur behandeln, sondern auch in unsicheren Fällen beraten. Lasst Euch helfen, um wieder komplett leistungsfähig und gesund zu werden.

Eure Franka