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Verletzungen im Sport – Mehr als nur ein körperliches Problem

Verletzungen gehören zum Sport – aber sie sind mehr als nur ein körperlicher Einschnitt. Gerade im Leistungssport sind sie fast alltäglich: Bei Turnern liegt die jährliche Verletzungsrate bei beeindruckenden 70–80 %, bei Fußballern bei rund 65 %. Im Schnitt erleidet jeder Athlet ein bis vier behandlungsbedürftige Verletzungen pro Jahr.

Doch eine Verletzung betrifft nicht nur Muskeln, Knochen oder Bänder. Sie ist ein ganzheitliches Erlebnis, das Körper, Psyche und soziales Umfeld gleichermaßen berührt.

Verletzungen als bio-psycho-soziales Phänomen

Wie gehen wir mit einer Verletzung um? Nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch?

Die Sichtweise von Kleinert (2003) bringt es auf den Punkt:

„Verletzungen – insbesondere wenn wir sie als Krisensituation begreifen – haben immer ein körperliches, ein psychisches und ein soziales Gesicht.“

Das bedeutet:

• Körperlich: Die Beeinträchtigung durch die Verletzung selbst.
• Psychisch: Die Wahrnehmung von Schmerzen und Einschränkungen, oft verbunden mit negativen Gedanken und Gefühlen.
• Sozial: Die Reaktionen des Umfelds – vom Team über Trainer bis zur Familie.

Deshalb sollten moderne Behandlungskonzepte nicht nur auf medizinische und physiotherapeutische Maßnahmen setzen, sondern auch sportpsychologische Unterstützung integrieren. So lassen sich negative Denk- und Verhaltensmuster frühzeitig erkennen und verändern – was sich positiv auf die Heilung auswirkt.

Die psychische Verarbeitung: Von Wut zu Kontrolle

Die erste Phase nach einer Verletzung ist oft geprägt von Wut, Frustration oder Trauer – besonders wenn der Sportler sich selbst für die Verletzung verantwortlich macht oder durch Fremdeinwirkung ausgebremst wurde. Doch nach dieser emotionalen Reaktion geht es darum, die Kontrolle zurückzugewinnen – mental, emotional und körperlich.

Psychologische Interventionen zur Unterstützung

Hier setzt die Sportpsychologie mit wirksamen Methoden an:

• Mental Healing
• Mentales Training
• Prognosetraining
• Entspannungsverfahren
• Aufmerksamkeitsregulation
• Zielsetzung
• Trainingstagebuch

 

Besonders wirkungsvoll: das Zielsetzungstraining.

Warum Zielsetzung so wichtig ist

Zielsetzung hilft Athleten nicht nur, am Reha-Training dranzubleiben, sondern steigert auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Studien zeigen:

• Zielsetzung unterstützt den Reha-Prozess und erhöht die Motivation (Evans & Hardy, 2002).
• Athleten bewerten Zielsetzung als eine der wirksamsten Techniken nach Verletzungen (Brewer et al., 1994).
• Strategische Zielsetzung und positive Selbstgespräche fördern die Heilung (Ievleva & Orlick, 1991).

Wichtig ist, dass auch Genesungsziele SMART formuliert sind:

Spezifisch
Messbar
Ausführbar
Relevant
Terminiert

Beispiel: „In vier Wochen möchte ich schmerzfrei 30 Minuten Radfahren können.“ – Konkreter, überprüfbarer Fortschritt motiviert und gibt Orientierung.

Umgang mit Prognosen: Kommunikation ist entscheidend

Auch Ärzte und Physiotherapeuten spielen eine wichtige Rolle in der Heilungspsychologie. Ihre Aufgabe: realistische, transparente und motivierende Prognosen geben.

Was hilft?

• Bandbreiten nennen: „Zwischen zwei und drei Monaten bis zum Lauftraining.“
• Einflussfaktoren erklären: „Hängt stark vom Abschwellen und Muskelaufbau ab.“
• Kurz- und mittelfristige Ziele benennen: „Ziel: In zwei Wochen ist die Schwellung halbiert.“
• Kontrolltermine vereinbaren: „In zwei und vier Wochen schauen wir gemeinsam auf den Fortschritt.“

So fühlt sich der verletzte Sportler einbezogen, verstanden und handlungsfähig – wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Genesung.

Fazit: Eine Verletzung betrifft weit mehr als nur den Körper. Wenn wir Sportverletzungen ganzheitlich angehen – medizinisch, psychologisch und sozial –, schaffen wir optimale Bedingungen für eine vollständige Heilung und eine starke Rückkehr in den Sport.

Eure Franka