Die Fußballweltmeisterschaft 2026 hat begonnen
Für viele Fans ist das ein besonderer Moment: vier Wochen voller Emotionen, Diskussionen, Überraschungen und gemeinsamer Fußballabende. Doch diese WM wird nicht nur sportlich betrachtet. Sie findet in den USA statt – einem Land, das politisch stark polarisiert und dessen Präsident Donald Trump weltweit kontrovers diskutiert wird. Für manche stellt sich deshalb die Frage: Sollte man diese WM überhaupt unterstützen?
Die Antwort ist nicht so einfach, wie manche sie gerne hätten.
Natürlich darf und sollte man kritisch auf die Rahmenbedingungen einer Weltmeisterschaft schauen. Das gilt nicht nur für diese WM, sondern grundsätzlich für große Sportereignisse. Gastgeberländer, politische Entwicklungen, wirtschaftliche Interessen, die Rolle der FIFA oder die Vergabe von Turnieren – all das sind legitime Themen, über die diskutiert werden muss. Sport findet nicht im luftleeren Raum statt.
Aber aus dieser Kritik folgt nicht automatisch, dass man dem Turnier jede Begeisterung verweigern muss.
Denn zwischen der Unterstützung einer Veranstaltung und der Unterstützung einer Mannschaft besteht ein Unterschied. Wer seiner Nationalmannschaft die Daumen drückt, identifiziert sich in erster Linie mit den Spielern, mit gemeinsamen Erinnerungen und mit dem sportlichen Wettbewerb. Die Freude über ein Tor oder einen Sieg ist kein politisches Bekenntnis zur Regierung des Gastgeberlandes. Genauso wenig bedeutet sie, jede Entscheidung der FIFA gutzuheißen.
Wir sind es gewohnt, mehrere Gedanken gleichzeitig auszuhalten. Wir können die Politik eines Landes kritisieren und trotzdem dessen Kultur schätzen. Wir können Unternehmen kritisieren und dennoch ihre Produkte nutzen. Und wir können eine Weltmeisterschaft kritisch begleiten und trotzdem mitfiebern, wenn die eigene Mannschaft auf dem Platz steht.
Vielleicht braucht es gerade heute diese Fähigkeit zur Differenzierung. Die Welt ist selten schwarz oder weiß. Nicht jede Begeisterung ist unkritisch. Nicht jede Kritik verlangt einen Boykott.
Es ist völlig legitim, die politische Entwicklung in den USA skeptisch zu betrachten. Es ist ebenso legitim, die FIFA für viele ihrer Entscheidungen zu kritisieren. Und dennoch darf man sich auf spannende Spiele freuen, mit Freunden vor dem Fernseher sitzen und hoffen, dass die eigene Mannschaft möglichst weit kommt.
Ein gesundes Maß an Patriotismus gehört für viele Menschen zum Sport dazu. Wer bei einer Weltmeisterschaft die eigene Nationalmannschaft unterstützt, sagt damit nicht automatisch: „Alles an diesem Turnier ist großartig.“ Sondern oft einfach nur: „Das ist mein Team, und ich hoffe, dass es erfolgreich ist.“
Vielleicht liegt genau darin die richtige Haltung: mitfiebern, ohne naiv zu sein. Begeisterung zulassen, ohne Kritik aufzugeben. Die eigene Mannschaft unterstützen und gleichzeitig die größeren Zusammenhänge im Blick behalten.
Fußball kann verbinden. Und kritisches Denken muss dabei nicht auf der Ersatzbank sitzen.


